
Ein Sonar klingt nach U-Boot-Film, ist aber inzwischen auch für kleinere Unterwasserdrohnen zu haben. Bevor du Geld ausgibst, lohnt sich ein genauer Blick: Zwischen einem 100-Gramm-Echolot und einem Multibeam-Sonar zum Preis eines Kleinwagens liegen Welten. Und längst nicht jede Hobbydrohne kann überhaupt ein Sonar ansteuern.
Wichtig vorab: Wir haben noch kein Sonar an einer Drohne selbst ausprobiert. Alles hier beruht auf Herstellerangaben, Händlerseiten und Fachquellen. Das ist eine Einordnung, kein Praxistest.
- Sonar misst mit Schall: Ein Impuls geht raus, das Echo kommt zurück, aus der Laufzeit ergibt sich die Entfernung.
- Es funktioniert unabhängig von der Sichtweite, liefert aber kein Farbbild.
- Drei Klassen: Echolot/Altimeter (eine Entfernung), Scanning-Sonar (Rundumbild, langsam), Multibeam-Imaging-Sonar (Live-Bild, teuer).
- Offizielles Sonar-Zubehör gibt es laut unserer Recherche vor allem für die Profi-Reihen: Chasing M2-Serie und FIFISH V6 Expert/PRO-Modelle.
- Preise reichen von rund 430 US-Dollar (Echolot zum Selbstbau) bis zu Profi-Systemen „auf Anfrage“.
So funktioniert Sonar
SONAR steht für „Sound Navigation and Ranging“. Ein aktives Sonar schickt einen Schallimpuls ins Wasser. Trifft der auf ein Objekt, kommt ein Echo zurück. Weil das Gerät die Zeit zwischen Senden und Empfangen kennt, kann es die Entfernung berechnen. So erklärt es die US-Meeresbehörde NOAA.
Der große Vorteil unter Wasser: Schwebeteilchen, die deine Kamera mit Backscatter blenden, stören den Schall kaum. Blue Robotics beschreibt sein Ping360 genau so: Es soll Orientierungspunkte liefern, „unabhängig von der Sichtweite im Wasser“.
Der Nachteil: Ein Sonar zeigt Formen und Kanten, keine Farben und keine feinen Details. Ob da unten ein Ast oder ein verlorenes Ruder liegt, entscheidet am Ende meist doch die Kamera. Für Suchaufgaben lohnt sich auch ein Blick in unseren Ratgeber Schatzsuche unter Wasser.
Die drei Sonar-Arten im Überblick
1. Echolot und Altimeter (Single Beam)
Ein einzelner Schallstrahl misst eine Entfernung, zum Beispiel zum Grund. Das ist das einfachste und günstigste Sonar.
Bekanntestes Beispiel ist das Ping2 von Blue Robotics (im Shop als „Ping Sonar Altimeter and Echosounder“ geführt). Laut Hersteller:
- Reichweite typisch 0,3 bis 100 m, Strahlbreite 25 Grad, 115 kHz
- 187 g an Land, 100 g im Wasser (jeweils mit Kabel)
- bis 300 m Tiefe, Versorgung 4,5 bis 5,5 V
- serielle Schnittstelle, Software „Ping Viewer“ für Windows, Mac und Linux
Für Hobbypiloten heißt das: Du siehst, wie hoch du über dem Grund schwebst oder wie weit die nächste Wand entfernt ist. Ein Bild bekommst du nicht.
2. Scanning-Sonar (mechanisch drehend)
Hier dreht ein Motor den Schallkopf Schritt für Schritt im Kreis. Daraus entsteht ein rundes Bild der Umgebung, ähnlich einem Radarschirm.
Das Ping360 von Blue Robotics ist der Klassiker. Laut Hersteller dreht sich der Schallkopf in 1-Grad-Schritten und baut ein Bild mit bis zu 50 m Reichweite auf. Weitere Herstellerangaben:
- Mindestreichweite 0,75 m, 750 kHz, Strahl 2 Grad horizontal und 25 Grad vertikal
- ein voller 360-Grad-Umlauf dauert je nach Reichweite rund 3,4 bis 33 Sekunden
- 510 g an Land, 175 g im Wasser, bis 300 m Tiefe
- 11 bis 25 V, maximal 5 W, Anschluss per USB, Ethernet oder RS485
Die langsame Bildrate ist der Haken: Bei großer Reichweite dauert ein Rundumbild über eine halbe Minute. Das Sonar eignet sich deshalb eher zum Orientieren im Stand als zum Fahren nach Sonarbild.
3. Multibeam-Imaging-Sonar
Ein Multibeam-Sonar sendet viele Strahlen gleichzeitig und liefert so ein laufendes Bild, fast wie ein Video in Graustufen. Das ist die Profi-Klasse.
Ein Beispiel ist das Oculus M750d von Blueprint Subsea, das auch QYSEA für FIFISH anbietet. Laut Herstellerangaben:
- zwei Frequenzen: 750 kHz mit bis zu 120 m Reichweite oder 1,2 MHz mit bis zu 40 m
- bis zu 512 Strahlen, 130 Grad horizontales Sichtfeld
- 980 g an Land, 360 g im Wasser
Hier siehst du ein typisches Muster: Die höhere Frequenz reicht weniger weit, zeigt aber feinere Details (laut QYSEA 0,6 statt 1 Grad Auflösung).
Daneben gibt es Side-Scan- und Forward-Scan-Geräte wie das Omniscan 450 von Cerulean Sonar. Das Forward-Scan-Modell (FS) arbeitet laut Händlerangabe mit 450 kHz und bis etwa 120 m Reichweite und wird auch für die Chasing M2 Pro Max angeboten.
Was bieten Chasing und QYSEA offiziell an?
Chasing
Chasing bewirbt die M2 Pro Max mit fünf Zubehöranschlüssen und über 20 eigenen und fremden Zubehörteilen. Auf der Produktseite stehen als Sonar-Kategorien „BP imaging sonar“, „GEMINI imaging sonar“ und „Distance lock sonar“. Bei Händlern findest du unter anderem:
- Distance Lock Sonar: hält laut Händler einen festen Abstand zu Wänden oder Rümpfen und warnt vor Hindernissen. Kompatibilität laut Händler M2, M2 S, M2 Pro und M2 Pro Max (die Seite widerspricht sich allerdings an einer Stelle).
- Ping360 Sonar Kit: laut US-Händler nur für M2 Pro und M2 Pro Max, mit Halterung und Auftriebskörper. Die Halterung wiegt je nach Modell rund 705 bis 763 g.
- Oculus-Multibeam (z. B. M370s) und Omniscan 450 FS: nur auf Anfrage.
Die Steuer-App CHASING GO1 unterstützt laut App Store die M2 sowie Gladius Mini und Gladius Advanced Pro. In den Versionshinweisen tauchen seit 2023 immer wieder neue Sonar-Zubehörteile auf, 2024 etwa „Side-Scan Sonar Accessories“ (App- und Drohnen-Firmware-Update nötig).
Für die Gladius Mini S und die Dory haben wir kein offizielles Sonar-Zubehör gefunden.
QYSEA (FIFISH)
QYSEA führt das M750d Imaging Sonar im eigenen Shop. Laut FAQ passt es an die FIFISH V6 Expert, PRO V6 PLUS und PRO W6, die Bedienung ist laut Hersteller in die FIFISH-App integriert. Einen Preis nennt der Shop nicht.
Für die FIFISH V-EVO nennt QYSEA auf der Produktseite Zubehör wie Greifarm und Metalldetektor, aber kein Sonar.
Exkurs: Wo bin ich? USBL und DVL
Ein Sonar zeigt dir, was um die Drohne herum ist. Wo die Drohne selbst ist, beantworten Positionssysteme:
- USBL (Ultra-Short-Baseline): Ein Sender an der Drohne „pingt“ zu einer Antenne an der Oberfläche, daraus wird die Position berechnet. Ein Beispiel ist das Underwater GPS G2 von Water Linked: Der Locator an der Drohne sendet, vier Empfänger in der Antenne ermitteln Richtung und Abstand, ein Drucksensor die Tiefe. Chasing bietet für M2 Pro und M2 Pro Max ein Cerulean-USBL an, laut deutschem Händler „Angebot auf Anfrage“.
- DVL (Doppler Velocity Log): misst die Geschwindigkeit über Grund per Doppler-Effekt und ermöglicht so Positionshalten und autonome Navigation. Der Water Linked DVL kostet bei Blue Robotics ab 8.710 US-Dollar.
Für den Badesee ist beides deutlich überdimensioniert. Spannend wird es bei Suchaufträgen auf größeren Flächen.
Was bringt Sonar im trüben See?
Unsere Einordnung für Hobbypiloten:
- Orientierung: Ein Scanning- oder Multibeam-Sonar zeigt dir Stege, Böschungen, Wracks und Felsen, bevor die Kamera sie sieht. Das hilft beim gezielten Anfahren.
- Suche: Größere Objekte auf glattem Grund heben sich im Sonarbild ab. Kleinteile wie ein Handy gehen eher unter.
- Abstand halten: Ein Echolot oder Distance-Lock-Sonar hilft, nicht in den Schlamm zu fahren. Das schont die Sicht, denn aufgewirbelter Grund ist der größte Sichtkiller.
- Keine Wunderwaffe: Sonarbilder richtig zu deuten braucht Übung. Schatten, Echos vom Kabel und Mehrfachreflexionen können verwirren.
Gewicht, Trimmung, Strom und Software
Bevor du ein Sonar anschraubst, denk an vier Dinge:
- Gewicht und Trimmung: Jedes Gramm im Wasser verändert die Lage der Drohne. Chasing löst das beim Ping360-Kit mit einem Auftriebskörper aus PVC-Schaum. Bei Eigenbauten musst du selbst austarieren.
- Strom: Das Ping2 braucht 5 V, das Ping360 11 bis 25 V. Hobbydrohnen haben in der Regel keinen offenen Stromanschluss für Fremdgeräte.
- Datenweg: Das Sonarbild muss nach oben. Bei offiziellen Kits läuft das über Kabel und App. Fremd-Sonare brauchen eigene Software (Ping Viewer, SonarView) und eine Verbindung durchs Kabel, die geschlossene Hobbydrohnen meist nicht bieten.
- Plattform: Offen für eigenes Zubehör sind vor allem Selbstbau-Plattformen wie der BlueROV2 mit ArduSub und BlueOS. Mehr dazu in ROV selbst bauen.
Was kostet ein Sonar? Die Übersicht
| Gerät | Art | Passt an | Preis laut Quelle | umgerechnet ca. |
|---|---|---|---|---|
| Blue Robotics Ping2 | Echolot/Altimeter | Selbstbau, BlueROV2 | 430 USD | 390 € |
| Blue Robotics Ping360 | Scanning-Sonar | Selbstbau, BlueROV2 | 2.750 USD (zuletzt nicht lieferbar) | 2.480 € |
| Chasing Distance Lock Sonar | Abstandssonar | M2-Serie (laut Händler) | 1.499 USD | 1.350 € |
| Chasing Ping360 Sonar Kit | Scanning-Sonar | M2 Pro, M2 Pro Max | 5.000 USD (US-Händler, Rückstand) | 4.500 € |
| Cerulean Omniscan 450 SS | Side-Scan | BlueROV2, BlueBoat | 6.500 USD | 5.850 € |
| Cerulean Omniscan 450 FS (Chasing) | Forward-Scan | M2 Pro Max | auf Anfrage | – |
| QYSEA M750d | Multibeam | FIFISH V6 Expert, PRO V6 PLUS, PRO W6 | im Shop nicht angegeben | – |
| Chasing Oculus M370s | Multibeam | M2 Pro Max | auf Anfrage | – |
| Water Linked DVL | Positionierung | BlueROV2 u. a. | ab 8.710 USD | 7.840 € |
Alle Preise ohne Gewähr, Stand Oktober 2026. Originalpreise in US-Dollar bei US-Händlern bzw. Herstellern. Euro-Werte umgerechnet ca. mit 1 USD ≈ 0,90 €, ohne Zoll, Einfuhrumsatzsteuer (AT 20 %, DE 19 %) bzw. Schweizer MWST. Für die Schweiz Franken-Preise beim Händler erfragen.
Für wen lohnt sich was?
- Du fliegst eine Dory, Gladius Mini S oder V-EVO? Dann gibt es nach unserer Recherche kein offizielles Sonar. Investiere lieber in Licht und Technik.
- Du hast eine FIFISH V6 Expert oder eine Chasing M2? Dann gibt es offizielle Wege. Rechne mit Profipreisen und frag beim Händler nach Kompatibilität und Firmware.
- Du baust selbst? Ein Ping2 ist der günstigste Einstieg ins Thema, ein Ping360 der nächste Schritt.
Praxistipp zum Schluss
Frag vor dem Kauf beim Händler schriftlich nach: Welche Drohne, welche Firmware, welche App-Version? Sonar-Zubehör ist oft nur mit bestimmten Modellvarianten kompatibel, und manche Händlerseiten widersprechen sich. Eine klare Antwort schwarz auf weiß spart dir teure Rücksendungen.
Häufige Fragen
Kann ich an meine Hobby-Unterwasserdrohne ein Sonar anbauen?
Offizielle Sonar-Kits gibt es laut unserer Recherche vor allem für Profi-Modelle wie die Chasing M2-Reihe und die FIFISH V6 Expert. Für Dory, Gladius Mini S und FIFISH V-EVO haben wir kein offizielles Sonar gefunden.
Sieht ein Sonar im trüben Wasser besser als die Kamera?
Es arbeitet mit Schall statt Licht und funktioniert deshalb unabhängig von der Sichtweite. Es zeigt aber nur Formen und Kanten, keine Farben.
Was ist der Unterschied zwischen Scanning- und Multibeam-Sonar?
Ein Scanning-Sonar dreht einen einzelnen Schallkopf im Kreis und braucht für ein Rundumbild bis zu rund 30 Sekunden. Ein Multibeam-Sonar sendet viele Strahlen gleichzeitig und liefert ein laufendes Bild, ist aber deutlich teurer.
Was kostet das günstigste Sonar für ein ROV?
Das Ping2-Echolot von Blue Robotics kostet laut Hersteller 430 US-Dollar (ohne Gewähr, Stand Oktober 2026). Es misst aber nur eine Entfernung und liefert kein Bild.
Im Video
Blue Robotics zeigt sein Scanning-Sonar:
Reaktionen und Kommentare zu diesem Artikel findest du im Forum der Unterwasserpiloten. Du hast schon ein Sonar an deiner Drohne? Zeig uns dein Setup!
- NOAA Ocean Service, „What is sonar?“ (Funktionsprinzip, Begriff)
- Blue Robotics, Ping Sonar Altimeter and Echosounder / Ping2 (Preis 430 USD, Daten)
- RobotShop, Produktname „BlueRobotics Ping2 Sonar Altimeter and Echosounder“
- Blue Robotics, Ping360 (Preis 2.750 USD, Daten, Zitat Sichtweite, Funktionsweise)
- Blueye Robotics, Oculus M750d (Frequenzen, Reichweite, Strahlen, Gewicht)
- QYSEA Store, M750d Imaging Sonar (Kompatibilität V6 Expert, PRO V6 PLUS, PRO W6; App-Integration; Auflösung)
- Chasing, M2 Pro Max Funktionsübersicht (5 Zubehöranschlüsse, Sonar-Kategorien, 20+ Zubehörteile)
- Maverick Drone, CHASING Distance Lock Sonar (Funktion, Kompatibilität, 1.499 USD)
- Scuba.com, CHASING Ping 360 Sonar Kit (Kompatibilität M2 Pro/Pro Max, 5.000 USD, Gewicht Halterung, Auftriebskörper)
- Blue Skies Drone Shop, Chasing M2 Pro Max Oculus M370s (Preis nur auf Anfrage)
- Echolotzentrum, CHASING Cerulean OmniScan 450 FS (450 kHz, bis ca. 120 m, auf Anfrage)
- RobotShop, Cerulean Omniscan 450 Side Scan (6.500 USD, 450 kHz)
- Apple App Store, CHASING GO1 (unterstützte Modelle, Versionshinweise Sonar/USBL)
- QYSEA, FIFISH V-EVO (Zubehörliste ohne Sonar)
- Echolotzentrum, CHASING Cerulean USBL (für M2 Pro/Pro Max, Angebot auf Anfrage)
- Focus Nordic, Chasing Cerulean USBL Sonar Mounting Kit MarkII (Kompatibilität)
- Blueye Robotics, Water Linked Underwater GPS G2 (Funktionsweise Locator/Antenne)
- Blue Robotics, Water Linked DVL (ab 8.710 USD, Funktion)
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