Praxis · Einsteiger

Vor dem ersten Tauchgang: Die ROV-Checkliste für Einsteiger

Akku, Dichtungen, Tether, Trimmung, Wasserung: Mit dieser Liste gehst du in fester Reihenfolge durch, was vor und nach dem Tauchgang zählt. Zum Abhaken und als PDF.

7 Min. LesezeitStand: Oktober 2026Von Kenny, Redakteur
Kenny, Redakteur bei UnterwasserpilotKennyRedakteur · Unterwasserpilot
Gelbe Chasing Dory Unterwasserdrohne mit gelbem Kabel über felsigem Grund
Die Chasing Dory über flachem Grund · Bild: CHASING

Die neue Unterwasserdrohne ist ausgepackt, der See liegt vor dir, und du willst einfach nur abtauchen. Genau in diesem Moment passieren die meisten vermeidbaren Fehler: ein Akku, der nicht voll war, ein Sandkorn auf dem Dichtring, Motoren, die an der Luft angelaufen sind. Die Folgen reichen vom abgebrochenen Ausflug bis zum Wasserschaden an der Elektronik.

Mit einer festen Reihenfolge lässt sich das fast alles vermeiden. Diese Checkliste hat vier Teile: zu Hause, am Gewässer, beim Einsetzen und danach. Am Ende findest du sie zum Abhaken und als PDF zum Ausdrucken.

Wichtig

Das hier ist eine allgemeine Einordnung auf Basis von Herstellerempfehlungen und Fachquellen, kein Praxistest mit einem bestimmten Gerät. Die Anleitung deines Herstellers geht immer vor. Dichtungsfett, Kalibrierung und Einschaltreihenfolge unterscheiden sich je nach Modell.

Kurz erklärt

  • ROV (Remotely Operated Vehicle): ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug. Im Hobbybereich heißt das meist Unterwasserdrohne.
  • Tether: das Kabel zwischen Drohne und Oberfläche. Funk funktioniert unter Wasser kaum, deshalb laufen Steuerbefehle und Videobild über dieses Kabel.
  • Thruster: die Antriebe, also wasserdichte Motoren mit Propeller.
  • O-Ring: der Gummiring, der die Gehäuse abdichtet. Er ist die wichtigste Stelle der ganzen Drohne.
  • Arming / Schärfen: das Freigeben der Motoren per Software. Erst danach drehen die Thruster.
  • Trim: das Austarieren mit Gewichten, damit die Drohne richtig im Wasser liegt.

Teil 1: Zu Hause vorbereiten

Alle Akkus voll laden

Eine Unterwasserdrohne hängt an mehreren Stromquellen, und alle sollten vor dem Einsatz voll sein: der Akku der Drohne (Antriebe, Licht, Kamera), die Oberflächeneinheit bzw. der Controller und dein Tablet oder Smartphone mit der Steuer-App. Fällt unterwegs eine davon aus, bricht im schlechtesten Fall das Videobild ab oder die Antriebe stehen. Prüfe auch, dass die Ladeanschlüsse trocken und sauber sind.

Dichtungen prüfen und pflegen

Wasser kommt fast immer an den Dichtungen herein. Schon ein Haar oder Sandkorn kann reichen.

  1. O-Ringe auf Schnitte, Risse, Verformungen oder dauerhaft plattgedrückte Stellen ansehen. Im Zweifel tauschen.
  2. Dichtungsnuten und Auflageflächen mit einem fusselfreien Tuch säubern (Sand, Haare, Salz, altes verharztes Fett).
  3. Einen hauchdünnen Film des vom Hersteller vorgesehenen Silikonfetts auftragen. Das Fett dichtet nicht selbst ab, es hilft dem Ring beim Einschieben und schützt ihn vor dem Austrocknen.
  4. Nicht zu viel Fett nehmen. Zu viel zieht Schmutz an.

Tether und Stecker ansehen

Das Kabel wird ständig gezogen, geknickt und gescheuert. Geh es einmal über die ganze Länge durch: auf Knicke, Scheuerstellen, Schnitte im Mantel und Verdrehungen. Prüfe die Steckverbindungen auf saubere Kontakte und intakte Dichtringe.

Unterwasserdrohne mit Kabel knapp über dem Grund
Das Kabel ist ständig im Zug: Es lohnt sich, es vor jedem Einsatz durchzusehen · Bild: QYSEA

Das Mini-Ersatzteilset einpacken

Ein kleines Notfallset rettet dir den Tag, wenn unterwegs etwas Kleines kaputtgeht:

  • Ersatz-O-Ringe für alle Gehäuse, die du öffnest
  • das Silikonfett des Herstellers
  • Ersatzpropeller (links- und rechtsdrehend) mit Schrauben
  • Feinwerkzeug (Inbusschlüssel, Pinsel)
  • fusselfreie Tücher und Wattestäbchen
  • Kabelbinder und Isolierband

Teil 2: Am Gewässer aufbauen

Mechanik und Optik kontrollieren

Bevor du etwas einschaltest:

Nahaufnahme der Antriebe einer Unterwasserdrohne
Alle Propeller müssen sich frei drehen lassen: Nahaufnahme der Antriebe · Bild: QYSEA
  • Alle Propeller von Hand drehen. Sie müssen leicht und ohne Schleifen laufen. Angelschnur oder Algen, die sich eingewickelt haben, entfernen.
  • Kameradom und Lampenabdeckungen sauber und fettfrei wischen. Fingerabdrücke und Fett machen das Bild unscharf und streuen das Licht.
  • Falls deine Drohne Druckausgleichsschrauben oder Ventile hat: nach dem Schließen des Gehäuses wie vom Hersteller vorgesehen festziehen.

In fester Reihenfolge einschalten

Halte dich an die Reihenfolge deines Modells. Üblich ist ungefähr diese:

  1. Tether, Oberflächeneinheit und Drohne körperlich verbinden.
  2. Stromversorgung von Oberflächeneinheit und Drohne einschalten (bei manchen Systemen passiert das schon beim Koppeln der Stecker).
  3. App auf dem Tablet oder Smartphone starten und mit dem Controller verbinden.
  4. Kontrollieren, ob Livebild, Akkustand und Messwerte (Tiefe, Neigung, Temperatur) ankommen.

Sensoren kalibrieren

Je nach Modell haben ROVs einen Kompass und Lagesensoren, die an einem neuen Einsatzort neu kalibriert werden sollten. Metall in der Nähe stört das Magnetfeld: Betonstege, Stahlkonstruktionen, Boote, Autos. Kalibriere deshalb auf freiem, ebenem Boden mit etwas Abstand zu großen Metallteilen. Sonst driftet die Drohne später im Kurs oder verhält sich im automatischen Kurshalten unruhig.

Die Drohne austrimmen

Wasser ist nicht gleich Wasser: Salzwasser ist dichter als Süßwasser und trägt die Drohne stärker. Wer vom See ans Meer wechselt, muss daher die Gewichte anpassen.

WasserAuftriebWas du tust
Süßwassergeringereher Trimmgewichte entfernen
Salzwasserhöhereher Gewichte zufügen

Das Ziel ist neutraler bis leicht positiver Auftrieb. Leicht positiv bedeutet: Fällt der Strom aus, steigt die Drohne langsam nach oben und du kannst sie am Tether holen. Außerdem soll sie ohne Motoreinsatz waagerecht liegen und nicht nach vorne, hinten oder zur Seite kippen.

Teil 3: Umfeld prüfen und einsetzen

Das Gewässer einschätzen

  • Strömung: Starke Strömung kann stärker sein als deine Antriebe. Plane den Einsatz lieber mit der Strömung als dagegen. Mehr dazu in Fahren bei Strömung.
  • Sicht: In trübem Wasser (Schlick, Algenblüte) streut das eigene Licht an den Schwebeteilchen zurück ins Bild. Wenig Licht ist dort oft besser als volle Helligkeit.
  • Hindernisse: Versunkene Bäume, Felsen, Geisternetze und dichte Wasserpflanzen sind Gefahren für Drohne und Tether.
  • Menschen: Halte Abstand zu Schwimmern, Tauchern und Bootsverkehr.

Einsetzen in vier Schritten

  1. Die Drohne vorsichtig ins Wasser absenken. Nicht werfen.
  2. Leckage-Test: etwa 60 Sekunden knapp unter der Oberfläche halten und beobachten, ob Luftblasen aufsteigen. Kommen kontinuierlich Blasen aus einer Dichtung oder einer Kabeleinführung, sofort heraus, Strom trennen und die Stelle prüfen.
  3. Erst jetzt die Motoren schärfen, wenn die Drohne im Wasser liegt. An der Luft laufen die Thruster ohne Kühlung, und ihre Dichtungen können Schaden nehmen.
  4. Einen kontrollierten Probeflug nahe der Oberfläche machen, bevor du tiefer gehst.

Teil 4: Nach dem Tauchgang

Der nächste Einsatz beginnt eigentlich schon hier:

  • Drohne an die Einsetzstelle zurückfahren, das Tether dabei kontrolliert aufwickeln und die Drohne an den Tragegriffen oder am verstärkten Tether-Ende herausheben, nicht am dünnen Kabel.
  • Direkt danach Motoren entschärfen (disarm) und Strom trennen.
  • Nach Salzwasser, Brackwasser oder stark sedimenthaltigem Wasser gründlich mit Süßwasser spülen: Die geschlossene Drohne mindestens 15 bis 20 Minuten in sauberes Süßwasser legen und dabei die Propeller mehrmals von Hand drehen. Salzkristalle können sonst beim nächsten Mal Wellendichtungen und Lager beschädigen.
  • Außen vollständig trocknen, bevor du Akkufach oder Kameragehäuse öffnest, damit keine Tropfen ins Innere laufen.
  • Akku nicht dauerhaft ganz voll oder ganz leer lagern. Für Lithium-Akkus sind etwa 50 bis 60 Prozent üblich.
  • O-Ringe bei längerer Pause entlasten oder ausbauen, säubern und dunkel lagern. Tether in großen Schleifen ohne Verdrehungen lagern.

Wie du den Akku lange fit hältst, steht in Akkupflege.

Die Checkliste zum Abhaken

Hake direkt hier ab oder lade dir die Liste als PDF herunter und nimm sie ausgedruckt mit ans Wasser.

PDF herunterladen

Zu Hause vorbereiten

Am Gewässer aufbauen

Umfeld prüfen und einsetzen

Nach dem Tauchgang

Drei Chasing Dory Drohnen in Gelb, Weiß und Blau über einem Unterwasser-Seegrasfeld
Chasing Dory in drei Farben: Eine kleine Drohne, die sich gut für den Einstieg eignet · Bild: CHASING
Praxistipp zum Schluss

Packe die Checkliste und das Ersatzteilset in dieselbe Tasche wie die Drohne. Dann fehlt am Wasser nichts, und du gehst die Liste wirklich durch, statt sie zu Hause zu vergessen.

Fazit

Die meisten Ausfälle bei Einsteigern kommen nicht von der Technik, sondern von der Vorbereitung: verschmutzte Dichtungen, leere Akkus, falsche Trimmung oder Motoren, die an der Luft laufen. Eine Checkliste kostet dich wenige Minuten und schützt dein Gerät.

Du hast eigene Erfahrungen, einen Tipp oder einen Punkt, der hier fehlt? Schreib es ins Forum, die Liste wächst mit der Community.

Reaktionen und Kommentare zu diesem Artikel findest du im Forum der Unterwasserpiloten.

Hinweis zur Grundlage

Redaktionelle Zusammenstellung aus allgemeinen Wartungs- und Einsatzempfehlungen für ROVs, ohne eigenen Praxistest. Technische Details immer im Handbuch deines Herstellers nachlesen. Die Fotos sind Herstellerbilder von CHASING und QYSEA, die Quelle steht jeweils unter dem Bild. Die gezeigten Modelle dienen nur als Beispiele.

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Kenny, Redakteur bei Unterwasserpilot
RedakteurKennyKenny schreibt bei Unterwasserpilot über ROV-Drohnen, Tests und Einsätze in Österreich und dem D-A-CH-Raum.

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