
Schon beim Tauchgang lässt sich viel gewinnen: Licht runter, Lampen weg von der Kamera, ruhig fahren. Dieser Artikel setzt danach an. Was kannst du mit Software aus dem Material herausholen, das du schon hast?
Wichtig vorab: Wir haben die hier genannten Programme und Filter noch nicht mit eigenem Drohnenmaterial verglichen. Alles beruht auf Herstellerangaben und Fachquellen. Das ist eine Einordnung, kein Praxistest.
- Software kann Farbstich, flauen Kontrast und leichten Schleier verbessern.
- Sie kann keine Details zurückholen, die die Kamera nie aufgenommen hat.
- Einige Drohnen haben Filter eingebaut, etwa die FIFISH V-EVO mit einem Filter gegen weiße Schwebeteilchen.
- Am Rechner reichen oft kostenlose Werkzeuge: DaVinci Resolve gibt es in einer Gratisversion.
- Die Forschung (Dehazing, Sea-thru, KI) ist weiter als die Apps, aber noch nicht alles ist für Hobbypiloten nutzbar.
Warum das Bild grün und flau wird
Kurz zur Erinnerung: Wasser schluckt Licht, und zwar nicht alle Farben gleich. Dazu kommen Schwebeteilchen, die Licht streuen und einen Schleier über das Bild legen. Was du siehst, ist also eine Mischung aus Motiv, Farbverlust und Streulicht. Ausführlich erklären wir das in Farben unter Wasser.
Software versucht, diese Mischung wieder auseinanderzurechnen. Je mehr echte Bildinformation noch im Material steckt, desto besser klappt das.
Stufe 1: Was die Drohnen-Apps können
QYSEA FIFISH
Für die FIFISH V-EVO nennt QYSEA zwei Funktionen:
- „Real-time Color Balance & Image Enhancements“: ein eigenes, adaptives Bildsystem, das laut Hersteller die Farben „besonders in dunklen und trüben Umgebungen“ wiederherstellen soll.
- „Adaptive AI Sea Plankton Filtering Algorithm“: Laut QYSEA filtert die V-EVO damit weiße Flocken heraus, die durch Plankton und Bakterien entstehen.
In der Beschreibung der FIFISH-App ist außerdem allgemein von automatischen Algorithmen zur Farbverbesserung und manuellen Einstellungen die Rede.
Chasing
Für die Gladius Mini S nennt ein Händler „color correction“ als Funktion. Genauere Angaben, wie diese Korrektur arbeitet, haben wir bei Chasing nicht gefunden.
Unsere Einordnung: In-App-Filter sind bequem, aber sie wirken oft direkt auf die Aufnahme. Wenn du dir unsicher bist, prüf in der App, ob du zusätzlich ein unbearbeitetes Original speichern kannst. Dann bleibt dir die Nachbearbeitung offen.
Stufe 2: Nachbearbeitung am Rechner und Handy
DaVinci Resolve (Video)
DaVinci Resolve von Blackmagic Design ist ein Videoschnitt- und Farbkorrekturprogramm. Die Gratisversion ist laut Hersteller „packed with more features than most paid software applications“. Die kostenpflichtige Studio-Version kostet auf der US-Seite 295 US-Dollar (ohne Gewähr, Stand Oktober 2026) und bringt laut Blackmagic unter anderem zeitliche und KI-gestützte Rauschunterdrückung mit. Gerade Rauschen ist bei dunklen Seeaufnahmen ein Thema.
Typischer Ablauf für Unterwasservideo:
- Weißabgleich auf etwas setzen, das eigentlich neutral sein müsste (heller Stein, Sand, Graukarte).
- Grün- oder Blaustich über die Farbräder zurücknehmen.
- Kontrast vorsichtig anheben, Schwarzwerte etwas absenken.
- Bei Bedarf Rauschunterdrückung (in der Studio-Version).
Adobe Lightroom (Fotos und Standbilder)
Adobe schlägt in einer eigenen Anleitung zur Unterwasser-Bildbearbeitung diese Schritte vor:
- Weißabgleich mit der Pipette auf eine neutrale Fläche oder über die Regler Temperatur und Tönung
- Farbmischer, um einzelne Farben gezielt anzupassen
- Masken (auch KI-generiert), um Motiv und Hintergrund getrennt zu bearbeiten
- die Regler Textur, Klarheit und Dunst entfernen für mehr Details
- das Entfernen-Werkzeug, um einzelne Partikel wegzustempeln
Der Regler „Dunst entfernen“ (Dehaze) ist genau für den Schleier gedacht, den Schwebeteilchen erzeugen. Vorsicht: Zu viel davon verstärkt Rauschen und lässt Farben kippen.
Dive+ (Handy-App)
Dive+ wirbt im App Store damit, die echten Farben von Unterwasserfotos und -videos „mit nur einem Tipp“ und kostenlos zurückzuholen. Es gibt In-App-Käufe für Zusatzfunktionen. Das Taucher-Magazin Divernet lobte in einem Vergleich die Ein-Tipp-Korrektur als oft wirksam, aber manchmal von bestimmten Farbpaletten getäuscht und manuell eingeschränkt. Der Test stammt allerdings von 2020.
Stufe 3: Was die Forschung kann
Hinter vielen Filtern stecken Verfahren aus der Bildverarbeitung. Diese vier solltest du kennen:
Kontrastausgleich (CLAHE)
CLAHE steht für „Contrast Limited Adaptive Histogram Equalization“. Laut OpenCV-Dokumentation teilt das Verfahren das Bild in kleine Kacheln, gleicht den Kontrast in jeder Kachel einzeln aus und begrenzt ihn, damit Rauschen nicht zu stark verstärkt wird. Das ist schnell genug für Live-Video und steckt in vielen Tools.
Dehazing (Dunstentfernung)
Ein bekanntes Verfahren ist der „Dark Channel Prior“ von He, Sun und Tang (2009). Die Idee: In klaren Außenaufnahmen haben die meisten kleinen Bildausschnitte mindestens einen sehr dunklen Farbkanal. Fehlt dieses Dunkel, ist Dunst im Spiel und kann herausgerechnet werden. Das Verfahren wurde für Landschaftsfotos entwickelt, die Idee wird aber auch unter Wasser genutzt.
Sea-thru
Sea-thru von Derya Akkaynak und Tali Treibitz (2019) rechnet das Wasser physikalisch aus dem Bild heraus. Der Haken: Sea-thru braucht zu jedem Bild eine Entfernungskarte. Die Forscherinnen haben diese per Photogrammetrie aus vielen Fotos erzeugt und Objekte bekannter Größe für den Maßstab ins Bild gelegt. Für ein einzelnes Drohnenvideo ohne Tiefeninformation ist das Verfahren also nicht direkt nutzbar. (Mehr zur Technik dahinter in unserem Artikel Photogrammetrie: 3D vom Seegrund (in Planung).)
Ein Ansatz, der Sea-thru live auf Drohnenvideo anwenden will, ist das Projekt Visual Recovery, das wir in einem eigenen Porträt vorstellen (in Planung).
KI-Verfahren
Neuronale Netze lernen aus Bildpaaren „schlecht“ und „gut“, wie ein Unterwasserbild verbessert aussieht. Zwei bekannte Beispiele:
- UIEB und Water-Net (2019): ein Datensatz aus 950 echten Unterwasserbildern. Die Autoren kritisieren, dass viele Verfahren bis dahin nur an synthetischen Daten oder wenigen ausgewählten Fotos getestet wurden.
- FUnIE-GAN (Islam u. a.): ein Netz, das laut Autoren schnell genug für die Echtzeit-Vorverarbeitung bei Unterwasserrobotern ist.
Und wie misst man, ob ein Bild „besser“ ist? Auch daran wird geforscht, etwa mit Bewertungsverfahren ohne Referenzbild wie NR-UWIQA (Irshad u. a., 2021).
Unsere Einordnung: KI kann beeindruckende Ergebnisse liefern, aber sie kann auch Details „erfinden“, die nicht da waren. Für schöne Bilder ist das egal. Wenn du wissen willst, ob am Grund wirklich ein Gegenstand liegt, ist Vorsicht geboten.
Die Grenzen: Was Software nicht retten kann
- Keine Information, kein Ergebnis: Was im Rauschen oder in der hellen Flockenwand untergeht, holt kein Filter zurück.
- Ausgebrannte Stellen: Überbelichtete Bereiche durch zu helle Lampen sind reines Weiß. Da steckt nichts mehr drin.
- Starke Kompression: Live-Übertragungen und stark komprimierte Videos haben weniger Reserven als die Aufnahme auf der Speicherkarte der Drohne.
- Bewegungsunschärfe: Schnelle Fahrten im Dunkeln erzeugen verwischte Bilder. Schärfen macht daraus kein scharfes Bild.
- Aufgewirbelter Schlamm: Wenn die Sicht null ist, hilft nur warten oder ein Sonar (siehe unseren Artikel Sonar anbauen).
Deshalb gilt: Die beste Software ist gutes Ausgangsmaterial. Licht, Abstand und Fahrweise am Tauchplatz bringen meist mehr als jeder Regler danach.
Übersicht: Welches Werkzeug wofür?
| Werkzeug | Für | Kosten laut Quelle | Stärke |
|---|---|---|---|
| In-App-Filter (z. B. FIFISH V-EVO) | Live und Aufnahme | in der Drohne enthalten | bequem, sofort |
| DaVinci Resolve | Video | gratis; Studio 295 USD | volle Farbkontrolle |
| Adobe Lightroom | Fotos, Standbilder | Abo (Preis bei Adobe) | Dunst entfernen, Masken |
| Dive+ | Fotos, Videos am Handy | gratis mit In-App-Käufen | Ein-Tipp-Korrektur |
| Forschungsverfahren (Sea-thru, KI) | Fortgeschrittene | meist frei, technisches Wissen nötig | physikalisch bzw. lernbasiert |
Preise ohne Gewähr, Stand Oktober 2026. US-Dollar-Preis von der US-Seite des Herstellers, zzgl. landesüblicher Steuern.
Praxistipp zum Schluss
Filme vor dem Tauchgang ein paar Sekunden lang eine weiße oder graue Karte in der Tiefe, in der du später unterwegs bist. In der Nachbearbeitung hast du damit einen sicheren Bezugspunkt für den Weißabgleich, statt raten zu müssen, welcher Stein eigentlich grau ist.
Häufige Fragen
Kann ich trübes Wasser per Software komplett klar machen?
Nein. Software kann Farbstich, Kontrast und leichten Schleier verbessern. Details, die die Kamera nicht aufgenommen hat, kann sie nicht zurückholen.
Welches kostenlose Programm eignet sich für Unterwasservideos?
DaVinci Resolve gibt es in einer Gratisversion mit umfangreicher Farbkorrektur. Für Fotos am Handy wirbt Dive+ mit einer kostenlosen Ein-Tipp-Korrektur.
Was ist Sea-thru?
Ein Verfahren von Akkaynak und Treibitz (2019), das den Einfluss des Wassers physikalisch aus Bildern herausrechnet. Es braucht dafür zu jedem Bild eine Entfernungskarte.
Haben Unterwasserdrohnen eingebaute Filter?
Teilweise. QYSEA nennt für die FIFISH V-EVO eine Echtzeit-Farbkorrektur und einen KI-Filter gegen Plankton-Flocken. Für die Chasing Gladius Mini S nennt ein Händler eine Farbkorrektur.
Erfindet KI-Bildverbesserung Details?
Das kann passieren, weil neuronale Netze gelernte Muster ergänzen. Für die Suche nach echten Objekten solltest du immer auch das Originalbild prüfen.
Im Video
Ein Beispiel für die Farbkorrektur in DaVinci Resolve:
Reaktionen und Kommentare zu diesem Artikel findest du im Forum der Unterwasserpiloten. Zeig uns dort gern dein bestes Vorher/Nachher!
- QYSEA, FIFISH V-EVO (Real-time Color Balance, Adaptive AI Sea Plankton Filter, Zitate)
- QYSEA, FIFISH V-EVO (zweite Produktseite, „dark and turbid environments“)
- Apple App Store, FIFISH-App (Beschreibung: automatische Farbverbesserung, manuelle Einstellungen)
- GlobalDroneHQ, Chasing Gladius Mini S (Funktion „color correction“)
- Blackmagic Design, DaVinci Resolve Studio (295 USD, Gratisversion-Zitat, Studio-Funktionen)
- Adobe, „Improve color, lighting, and clarity in underwater photos“ (Lightroom-Schritte)
- Apple App Store, Dive+ (Ein-Tipp-Korrektur, kostenlos, In-App-Käufe)
- Divernet, „5 of the best Underwater photo-editing Apps“ (2020, Einschätzung Dive+ und Lightroom)
- OpenCV-Dokumentation, Histogram Equalization / CLAHE
- He, Sun, Tang (2009), Single Image Haze Removal Using Dark Channel Prior, Projektseite
- Akkaynak, Treibitz (2019), Sea-Thru, CVPR (Abstract, RGBD)
- Sea-Thru, Volltext (Entfernungskarten per Structure-from-Motion, Objekte bekannter Größe)
- Li u. a. (2019), An Underwater Image Enhancement Benchmark Dataset and Beyond (UIEB, Water-Net)
- Islam u. a., Fast Underwater Image Enhancement for Improved Visual Perception (FUnIE-GAN)
- Irshad u. a. (2021), NR-UWIQA, Electronic Imaging (aus vorhandener Paper-Notiz)


