Praxis · Einsteiger

Verlorenes im See bergen: So holst du Handy, Schlüssel und Ring mit der Unterwasserdrohne zurück

Ein kurzer Moment am Steg, ein Platscher, und das Handy ist weg. Hier liest du, was du sofort tun solltest, wie du mit einer Unterwasserdrohne systematisch suchst und wann du es lieber lässt.

7 Min. LesezeitStand: Oktober 2026Von Kenny, Redakteur
Kenny, Redakteur bei UnterwasserpilotKennyRedakteur · Unterwasserpilot
Skizze: Kreuzpeilung mit zwei Bezugspunkten am Ufer und markierter Fundstelle
Stelle sichern mit Kreuzpeilung · Eigene Grafik

Handy, Autoschlüssel, Ehering, Kamera, Sonnenbrille oder ein Teil vom Außenbordmotor: Was ins Wasser fällt, ist selten wirklich verloren. Oft liegt es nur wenige Meter vom Steg entfernt am Grund. Mit einer Unterwasserdrohne hast du gute Chancen, es wiederzusehen. Ob du es auch heraufholst, hängt von Gewicht, Untergrund und Sicht ab.

Wichtig: Wir haben noch keine eigene Suche mit der Drohne gemacht. Die Tipps beruhen auf Herstellerangaben, den Hinweisen des Bergungsdienstes UDRA und dokumentierten Fällen. Das ist eine Einordnung, kein Praxistest.

Die wichtigsten Fakten
  • Sofort: Nicht im Schlamm wühlen. Stelle markieren, Position speichern, Bezugspunkte am Ufer merken.
  • Suche: Klein anfangen und systematisch erweitern. Je genauer die Stelle bekannt ist, desto besser die Chancen.
  • Bergen: Greifarme für Hobbydrohnen öffnen sich laut Hersteller 12 bis 17 cm weit und greifen um die 7 kg. Schweres holst du mit Haken und Seil.
  • Recht: Deine eigene Sache holst du zurück. Fremde Funde musst du melden. An Badestellen und in Privatgewässern vorher fragen.

Schritt 1: Die Stelle sichern, bevor du suchst

Die ersten Minuten entscheiden. Der österreichische Bergungsdienst UDRA empfiehlt:

  • Ruhe bewahren und nicht im Grund wühlen. Aufgewirbelter Schlamm nimmt die Sicht und kann den Gegenstand zudecken.
  • Stelle markieren, zum Beispiel mit einer beschwerten Flasche an einer Schnur als behelfsmäßige Boje.
  • Position speichern: Foto mit GPS-Daten oder Pin in der Karten-App.
  • Zwei Bezugspunkte am Ufer merken, die mit der Stelle in einer Linie liegen, etwa ein Steg und ein Baum. Zwei solcher Peilungen über Kreuz grenzen die Stelle gut ein.
  • Bedingungen notieren: Wind, Wellen, Strömung, ungefähre Tiefe. Daraus lässt sich abschätzen, wohin etwas abgetrieben sein kann.
  • Schnell handeln: Strömung und Sediment bewegen Gegenstände mit der Zeit.

Ein Handy-GPS ist nicht metergenau. Die Peilung über Bezugspunkte ist deshalb eine gute Ergänzung.

Schritt 2: Systematisch suchen

KREISE MIT WACHSENDEM ABSTAND PARALLELE BAHNEN Markierung = Start Bahnabstand kleiner als sicher erkennbare Breite
Zwei bewährte Suchmuster · Eigene Grafik

Die größte Versuchung: einfach losfahren und „mal schauen“. Besser ist ein Plan.

  • Bei der Markierung anfangen. Fahr zuerst die engste Umgebung ab, bevor du weitergehst.
  • Bahnen statt Zickzack. Fahr parallele Bahnen oder Kreise mit wachsendem Abstand um die Markierung. Der Abstand zwischen den Bahnen sollte kleiner sein als die Breite, die du auf dem Bildschirm sicher erkennst.
  • Langsam und knapp über dem Grund. Halte Abstand, damit die Propeller nichts aufwirbeln. Tiefenhaltung hilft.
  • Licht dosieren. In trübem Wasser reflektieren Schwebeteilchen das Licht.
  • Kabel im Blick behalten. Stege, Bojenketten und Pflanzen sind Kabelfallen. Tipps dazu in Fahren bei Strömung.

Schritt 3: Bergen, aber womit?

Hast du den Gegenstand gefunden, beginnt die Feinarbeit. Diese Werkzeuge gibt es laut Herstellern:

ZubehörFür welche DrohnenHerstellerangabenGut für
QYSEA 2-Finger-GreifarmFIFISH V-EVO, V6 Expert, E-GO12 cm Öffnung, 100 N Klemmkraft bzw. 7 kgf (V-EVO, V6 Expert)Handy, Schlüssel, Kamera, Brille
QYSEA Retrieval Hook (Bergehaken)am 2-Finger-Arm, V-EVO, V6 Expert, E-GOZug bis 80 kgf, Seil nicht dabeiSchweres mit Seil von oben
QYSEA MetalldetektorV-EVO, V6 Expert, E-GOerkennt Metall bis 50 cm, durch bis 50 mm Schlamm/SandRing, Schlüssel im Sediment
Chasing Grabber ClawGladius Mini S12 cm Öffnung, max. 7 kgwie oben
Chasing Grabber Arm 2.0M2, M2 S, M2 Pro (Variante für M2 Pro Max)17 cm Öffnung, max. 7 kgetwas größere Teile
Chasing Dory Exploreeigenes ModellKescher ca. 8 cm, Metalldetektor mit wenigen Zentimetern ReichweiteKleinteile im Flachwasser

Alle Angaben laut Hersteller bzw. Händler, ohne Gewähr. Preise und Montage im Detail: Unterwasserdrohne mit Greifarm. Zur Dory Explore und zur Metallsuche: Schatzsuche unter Wasser.

Und die Drohne selbst? QYSEA nennt für die FIFISH V-EVO 2 kg Nutzlast, für die V6 Expert 5 kg. Für Chasing-Modelle haben wir keine Herstellerangabe gefunden.

Für Magnete an der Drohne haben wir kein offizielles Zubehör von QYSEA oder Chasing gefunden. Ob sich ein Magnet sicher am Greifarm befestigen lässt, solltest du vorher beim Hersteller erfragen. Der Kompass der Drohne könnte gestört werden. Das ist unsere Vermutung, keine Herstellerangabe.

Was realistisch klappt und was nicht

GegenstandUnsere Einordnung
Handy, Schlüsselbund, Sonnenbrille, kleine KameraGute Chancen, wenn sie sichtbar auf festem Grund liegen. Leicht genug für jeden Greifarm.
Ring, OhrringSchwierig. Klein, sinkt gern ins Sediment. Mit Metalldetektor oder Kescher bessere Chancen, aber kein Selbstläufer.
Teil vom Außenbordmotor, AnkerMeist zu schwer für die Drohne allein. Nur mit Haken und Seil von der Oberfläche, wenn sich ein sicherer Angriffspunkt findet.
Alles im weichen SchlammOft nur mit viel Geduld. Jede Berührung trübt das Wasser.
Alles tiefer als die Kabellänge oder TauchtiefeAußer Reichweite. Die meisten Hobbydrohnen schaffen laut Hersteller 100 m.

Wie tückisch Schlamm ist, zeigt ein Fall aus Kanada, über den MPR News 2019 berichtete: Ein Eisangler verlor sein Handy im See. Unterwasserkameras fanden es, aber die ersten Bergeversuche mit improvisierten Schöpfkellen an einem Rohr wühlten den Schlamm auf und drückten das Handy tiefer in den Grund. Nach rund sechs Stunden war es schließlich oben. Eine Drohne war dort nicht im Einsatz, die Lehre gilt aber genauso: langsam und von oben greifen, nicht schieben.

Echte Fundgeschichten

  • Schweden, Mälaren-See: Laut VideoRay entdeckte ein Berufstaucher-Team 2021 bei einer Rumpfinspektion unter einem Restaurantschiff bei Stockholm ein Handy am Grund, rund 20 Fuß (ca. 6 m) tief. Der Greifarm des Profi-ROVs VideoRay Pro 4 holte es herauf. Das Handy war gut fünf Wochen zuvor verloren gegangen.
  • Österreich, UDRA: Der Bergungsdienst UDRA arbeitet mit einer FIFISH V-EVO, also einer Drohne aus dem Hobby-Segment, und zeigt auf seiner Seite eine Bergung eines Rings mit dem Greifarm. UDRA sagt aber auch klar: Erfolg ist nie garantiert, wenig aussichtsreiche Suchen werden abgelehnt. Transparenz: UDRA und Unterwasserpilot werden vom selben Betreiber geführt.

Was rechtlich gilt

  • Deine eigene Sache: Das Fundrecht regelt Sachen, die jemand anderer verloren hat. Holst du dein eigenes Handy zurück, bist du kein Finder im Sinne dieser Regeln. (Das ist unsere Einordnung aus dem Gesetzeswortlaut, keine Rechtsauskunft.)
  • Fremde Funde: In Österreich musst du verlorene Sachen, die du an dich nimmst, laut § 390 ABGB der Fundbehörde anzeigen und abgeben (Ausnahmen in § 391, etwa bis 10 Euro Wert). In Deutschland gilt die Anzeigepflicht nach § 965 BGB, in der Schweiz nach Art. 720 ZGB (Polizeianzeige ab offensichtlich mehr als 10 Franken).
  • Alte Funde: Archäologisches und Wracks fallen unter den Denkmalschutz. Mehr dazu in Schatzsuche unter Wasser.
  • Badestellen, Häfen, Privatgewässer: Ob du dort eine Unterwasserdrohne einsetzen darfst, regelt der Betreiber oder Eigentümer bzw. die Gemeinde. Frag vorher nach und fahr nie, während Leute in der Nähe schwimmen. Regeln für einzelne Seen findest du auf unseren Tauchort-Seiten.

Das ist keine Rechtsberatung.

Wann du Profis holen solltest

  • Der Gegenstand ist schwer, sperrig oder steckt fest.
  • Die Stelle ist tief, liegt in Strömung oder in einem Hafen mit Schiffsverkehr.
  • Du hast keine eigene Drohne oder kein passendes Zubehör.
  • Es geht um mehr als Sachwerte, etwa bei einem Unfall: Dann gilt immer Notruf 112. Mehr dazu in Suche & Bergung mit der Unterwasserdrohne.

Häufige Fragen

Kann ich mein Handy mit einer Unterwasserdrohne aus dem See holen?

Oft ja, wenn du die Stelle gut kennst, die Sicht passt und das Handy auf festem Grund liegt. Du brauchst eine Drohne mit Greifarm. Die gängigen Arme öffnen sich laut Hersteller 12 bis 17 cm weit.

Welche Unterwasserdrohne mit Greifarm eignet sich für Privatleute?

Für die FIFISH V-EVO und V6 Expert gibt es den 2-Finger-Arm von QYSEA, für die Chasing Gladius Mini S die Grabber Claw. Welche Drohne zu dir passt, zeigt unsere Bestenliste.

Wie schwer darf der Gegenstand sein?

Laut QYSEA trägt die V-EVO 2 kg, die V6 Expert 5 kg. Die Greifarme halten laut Hersteller um die 7 kg. Für Schwereres gibt es bei QYSEA einen Bergehaken, mit dem du per Seil von oben ziehst.

Was mache ich, wenn ich beim Suchen etwas Fremdes finde?

Je nach Land den Eigentümer, die Fundbehörde oder die Polizei informieren. Bei alten Funden gilt Denkmalschutz.

Wie finde ich die Stelle wieder?

Sofort markieren, GPS-Position speichern und zwei Bezugspunkte am Ufer in einer Linie merken. Und nicht im Schlamm wühlen.

Im Video

Ein dokumentierter Fall aus Kanada (ohne Drohne):

Video auf YouTube (MPR News laut Suchergebnis)
Praxistipp zum Schluss

Übe das Greifen, bevor du es brauchst: Leg im flachen, klaren Wasser einen alten Schlüsselbund aus und hol ihn mit der Drohne zurück. So lernst du, wie nah du heranfahren musst und wie viel Sediment deine Propeller aufwirbeln.

Reaktionen und Kommentare zu diesem Artikel findest du im Forum der Unterwasserpiloten. Hast du schon etwas geborgen? Erzähl es dort!

Ist etwas Wichtiges versunken, das eine Hobbydrohne nicht mehr bergen kann? Professionelle Bergungseinsätze in Österreich bietet UDRA an.

Kenny, Redakteur bei Unterwasserpilot
RedakteurKennyKenny schreibt bei Unterwasserpilot über ROV-Drohnen, Tests und Einsätze in Österreich und dem D-A-CH-Raum.

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