
Eine Unterwasserdrohne sieht dort hin, wo Taucher nur mit großem Aufwand oder gar nicht hinkommen. Genau das macht ROVs für Rettungsorganisationen interessant. Gleichzeitig zeigen echte Einsätze, dass auch professionelle Tauchroboter nicht alles können. Für Hobbypiloten gilt das erst recht.
Vorweg: Wir haben selbst keinen Such- oder Bergungseinsatz begleitet. Alles hier beruht auf Berichten der Organisationen, Presseartikeln und Herstellerangaben. Das ist eine Einordnung, kein Praxistest.
- Rettungsorganisationen in Österreich, Deutschland und der Schweiz nutzen Tauchroboter vor allem zum Orten und Dokumentieren, nicht als Ersatz für Taucher.
- Beim Flugzeugabsturz im Attersee im August 2026 fand ein Tauchroboter das Wrack in rund 160 Metern Tiefe. Geborgen haben es am Ende Spezialtaucher.
- Hobby-Drohnen wie FIFISH V-EVO oder Chasing Gladius Mini S tauchen laut Hersteller bis 100 Meter. Ihre Greifarme halten laut Hersteller um die 7 kg Greifkraft, die Nutzlast liegt im einstelligen Kilobereich.
- Bei Unfällen und Vermisstensuchen gilt: Notruf wählen, Einsatzkräfte arbeiten lassen. Nicht selbst mit der Drohne eingreifen, außer die Einsatzleitung bittet ausdrücklich darum.
Wie Rettungsorganisationen Tauchroboter einsetzen
Österreich: Wasserrettung mit eigenem Roboter
Die ÖWR Döbriach in Kärnten setzt einen Unterwasserroboter ein, der laut Einsatztaucher Volkmar Ertl bis in 200 Meter Tiefe arbeiten kann. Laut einem Bericht von MeinBezirk vom August 2026 hat das Gerät ein 360-Grad-Sonar, Kameras und starke Beleuchtung und soll auch bei schlechter Sicht, Dunkelheit oder unter Eis arbeiten. Der größte Vorteil laut Ertl: Der Roboter hat „praktisch keine Einsatzzeitbegrenzung“ und braucht keine Dekompressionsstopps. Komplexe Bergungen und schwere Lasten bleiben laut demselben Bericht aber Sache ausgebildeter Taucher.
Deutschland: DLRG, Wasserwacht, Wasserwehr
- Die DLRG-Ortungsgruppe Ostallgäu/Kaufbeuren listet in einem Flyer einen Tauchroboter mit bis zu 200 Metern Tauchtiefe, Rundsicht-Sonar, vier LED-Leuchten und einem Greifer, der sich 82 Millimeter weit öffnet. Die Gruppe wird laut Flyer über 112 oder die Polizei alarmiert.
- Die Wasserwacht Schrobenhausen plant laut eigener Info eine Chasing M2 Pro Max mit Sonar. Kosten inklusive Zubehör und Ausbildung: rund 14.000 bis 18.000 Euro. Ihr Satz dazu bringt es auf den Punkt: Die Drohne „ergänzt die Arbeit unserer Taucher, ersetzt sie aber nicht“.
- Bei einer Vermisstensuche im Königssee in Plötzky (Sachsen-Anhalt) im Juni 2026 waren laut Volksstimme Feuerwehr, mehrere Wasserwachten, Taucher, ein Wassersuchhund und eine Unterwasserdrohne im Einsatz.
Schweiz: Polizei mit Tiefsee-Technik
- Die Kantonspolizei Zürich hat laut Netzwoche 2022 einen Suchroboter namens „Fusion“ von Strategic Robotic Systems angeschafft, für die „Suche und Bergung von Personen und Gegenständen in Gewässern“ bis etwa 300 Meter.
- Die Genfer Schifffahrtspolizei bekam laut Baird Maritime 2021 ein ROV des französischen Herstellers ECA Group für Suche und Rettung im Genfersee, bis 1.000 Meter Tiefe.
Gemeinsam ist allen Beispielen: Der Roboter ist ein Werkzeug im Team mit Sonar, Tauchern und Einsatzleitung. Das sind Profi-Geräte in einer ganz anderen Preis- und Tiefenklasse als die Drohnen in unserer Bestenliste.
Das Attersee-Beispiel: Orten ja, Bergen nein
Am 26. August 2026 stürzte ein Schulflugzeug vom Typ Tecnam P2002JF in den Attersee. Laut Salzburg24 wurde das Wrack noch am selben Abend mit Sonar, Unterwasserkameras und einem Tauchroboter gefunden, unterstützt von einer Spezialeinheit der Wasserrettung Salzburg. Die Kamera des Roboters zeigte das Wrack und die beiden verunglückten Insassen.
Danach wurde es schwierig:
- Der Tauchroboter sollte laut Tips zuerst eine Bergeleine am beschädigten Flugzeug anbringen. Diese Versuche scheiterten.
- Am 29. August wurde die Bergung laut Salzburg24 abgebrochen. Die Bergeleinen ließen sich am Seegrund nicht sichern, dazu kamen laut Tauch-Einsatzleiter Thomas Manahl zu starker Wind und Regen.
- Am 31. August stiegen schließlich laut Tips zwei Spezialtaucher auf über 160 Meter ab, stellten die Verbindung her, und das Wrack wurde mit einer Hebevorrichtung an die Oberfläche geholt.
Für uns die wichtigste Lehre: Ein ROV ist ein hervorragendes Auge in der Tiefe. Feinarbeit wie das sichere Anschlagen einer Last an einem beschädigten Objekt ist aber selbst für Profi-Teams mit Spezialgerät schwer. Die ganze Geschichte erzählen wir im Beitrag zur Attersee-Bergung (in Planung).
Grenzen von Hobby-Unterwasserdrohnen
Hobbydrohnen können erstaunlich viel. Für echte Bergungen fehlt ihnen aber an mehreren Stellen die Reserve. Hier die Herstellerangaben im Überblick:
| Modell | Tauchtiefe | Nutzlast | Greifarm (optional) | Licht |
|---|---|---|---|---|
| FIFISH V-EVO | 100 m | 2 kg | 2-Finger-Arm, 70 N bzw. 7 kgf Greifkraft, 12 cm Öffnung | 5.000 lm |
| FIFISH V6 Expert | 100 m | 5 kg | 2-Finger-Arm, 100 N Klemmkraft, 12 cm Öffnung | 6.000 lm gesamt |
| Chasing Gladius Mini S | 100 m | keine Angabe | Grabber Claw, max. 7 kg, 12 cm Öffnung | 2 × 1.200 lm |
| Chasing M2-Reihe | 100 m | keine Angabe | Grabber Arm 2.0, max. 7 kg, 17 cm Öffnung | 2 × 2.000 lm (M2) |
Alle Angaben laut Hersteller bzw. Händler, Quellen unten. Ausführlich zum Zubehör: Unterwasserdrohne mit Greifarm und Mehr Licht für die Unterwasserdrohne.
Was das praktisch heißt:
- Gewicht: Ein paar Kilo Nutzlast reichen für Handy, Schlüssel oder Kamera. Alles Schwerere braucht ein Seil von der Oberfläche. QYSEA bietet dafür einen Bergehaken an, den der Greifarm am Objekt einhakt. Hochgezogen wird dann von Hand.
- Greifen: 12 bis 17 Zentimeter Öffnung sind für viele Alltagsgegenstände genug, für sperrige Teile nicht.
- Sicht: Jeder Kontakt mit dem Grund wirbelt Schlamm auf. Am Attersee sprach die Einsatzleitung von sehr schwierigen Bedingungen.
- Tiefe und Kabel: 100 Meter Tauchtiefe klingen viel. Das Attersee-Wrack lag aber über 160 Meter tief, also außerhalb der Reichweite jeder Hobbydrohne.
- Strömung und Wetter: Wind und Regen haben selbst den Profi-Einsatz am Attersee verzögert. Mehr dazu in Fahren bei Strömung.
Was du als Hobbypilot darfst und was nicht
Bei Unfällen und Vermisstensuchen
Hier gibt es eine klare Regel: Wähle den Notruf und überlass den Einsatzkräften das Feld. In Österreich erreichst du laut oesterreich.gv.at Feuerwehr unter 122, Polizei unter 133, Rettung unter 144 und den Euro-Notruf unter 112. Die 112 funktioniert in allen EU-Staaten.
Warum du nicht einfach selbst mit der Drohne losfährst:
- Ein Kabel im Wasser kann Taucher, Boote und Sonar stören.
- Die Einsatzleitung muss wissen, was sich im Suchgebiet bewegt.
- Bilder von Verunglückten gehören nicht ins Internet.
- In Deutschland macht sich laut § 323c Abs. 2 StGB strafbar, wer bei einem Unglücksfall eine Person behindert, die Hilfe leistet oder leisten will.
Was du stattdessen tun kannst: Beobachtungen genau melden (Ort, Uhrzeit, was du gesehen hast) und deine Drohne anbieten, wenn die Einsatzleitung danach fragt. Ob sie dein Angebot annimmt, entscheidet sie.
Wenn du etwas findest
Stößt du bei einem Tauchgang auf etwas, das nicht dir gehört, greift das Fundrecht. Kurz gefasst:
- Österreich: Wer eine verlorene Sache an sich nimmt, muss sie laut § 390 ABGB der Fundbehörde anzeigen und abgeben. Ausnahmen nennt § 391, etwa bei Rückgabe an den Verlierer oder bei einem Wert bis 10 Euro.
- Deutschland: Laut § 965 BGB musst du den Fund dem Verlierer, Eigentümer oder der zuständigen Behörde anzeigen.
- Schweiz: Laut Art. 720 ZGB benachrichtigst du den Eigentümer oder zeigst den Fund der Polizei an. Pflicht ist das, wenn die Sache offensichtlich mehr als 10 Franken wert ist.
Bei alten Funden, Wracks oder in Pfahlbau-Zonen gelten zusätzlich die Denkmalschutzgesetze. Alles Wichtige dazu steht in unserem Ratgeber Schatzsuche unter Wasser. Das ist keine Rechtsberatung. Im Zweifel fragst du bei der Behörde nach.
Findest du etwas, das nach einem Unfall oder einer Straftat aussieht, etwa ein versenktes Fahrzeug oder Waffen: nicht anfassen, Position merken, Polizei rufen.
Hobby oder Profi? Die Abgrenzung
| Aufgabe | Hobbydrohne | Profis rufen |
|---|---|---|
| Eigenes Handy oder Schlüssel am Steg | oft machbar | wenn die Stelle unklar oder tief ist |
| Boot, Steg, Anker kontrollieren | gut machbar | für Gutachten mit Dokumentation |
| Schwere Teile (Motor, Fahrrad) | nur mit Seil und Haken, wenn überhaupt | meist ja |
| Vermisste Person | nein | immer: Notruf 112 |
| Unfall, Wrack, Spuren einer Straftat | nein | immer: Polizei |
Die Spalte „Hobbydrohne“ ist unsere Einordnung auf Basis der Herstellerangaben, kein Testergebnis.
Wie du als Privatperson konkret vorgehst, wenn dir etwas ins Wasser gefallen ist, zeigen wir in Verlorenes im See bergen.
Häufige Fragen
Darf ich mit meiner Unterwasserdrohne bei einer Vermisstensuche helfen?
Nur, wenn die Einsatzleitung ausdrücklich darum bittet. Ruf den Notruf, melde deine Beobachtungen und biete deine Drohne an. Selbst loszufahren kann den Einsatz stören.
Wie viel kann eine Hobby-Unterwasserdrohne heben?
Laut QYSEA trägt die FIFISH V-EVO 2 kg und die V6 Expert 5 kg. Für Chasing-Modelle nennt der Hersteller keine Nutzlast. Die Greifarme haben laut Hersteller rund 7 kg Greifkraft. Schwereres holst du nur mit Seil und Haken hoch.
Warum hat am Attersee der Roboter das Flugzeug nicht geborgen?
Laut Presseberichten ließen sich die Bergeleinen mit dem Roboter nicht sicher am beschädigten Wrack befestigen. Dazu kamen Wind und Regen. Am Ende stellten zwei Spezialtaucher in über 160 Metern Tiefe die Verbindung her.
Was muss ich tun, wenn ich unter Wasser etwas Fremdes finde?
Je nach Land den Eigentümer oder die Fundbehörde bzw. Polizei informieren. Bei alten oder archäologischen Funden gilt Denkmalschutz. Details im Ratgeber Schatzsuche unter Wasser.
Ersetzt eine Unterwasserdrohne Taucher?
Nein. Selbst Rettungsorganisationen beschreiben sie als Ergänzung. Sie ortet und dokumentiert, schwere und heikle Bergungen bleiben Aufgabe ausgebildeter Taucher.
Im Video
Ein Beispiel für eine Suche mit Unterwasserdrohne:
Speichere dir die Notrufnummern des Landes, in dem du tauchst, vor dem Ausflug im Handy ein. Und notiere bei jedem Tauchgang kurz Ort und Uhrzeit. Falls du einmal etwas Auffälliges siehst, kannst du den Einsatzkräften dann genaue Angaben machen.
Reaktionen und Kommentare zu diesem Artikel findest du im Forum der Unterwasserpiloten.
- MeinBezirk, „200 Meter Tiefe sind kein Problem“ (ÖWR Döbriach, Tauchroboter bis 200 m, Sonar, Zitate Ertl, Taucher für schwere Bergungen; 06.08.2026)
- DLRG Kaufbeuren, Flyer Ortungsgruppe (Tauchroboter 200 m, Sonar, 4 LED, Greifer 82 mm, Alarmierung 112/Polizei; Datum nicht angegeben)
- Wasserwacht Schrobenhausen, Informationen Unterwasserdrohne/Sonar (Chasing M2 Pro Max geplant, 14.000–18.000 €, Zitat „ergänzt … ersetzt sie aber nicht“; Datum nicht angegeben, Upload-Pfad 12/2025)
- Volksstimme, Wasserwehr sucht im Königssee Plötzky mit Unterwasserdrohne (Juni 2026)
- Netzwoche, „Kapo Zürich holt Roboter ins Boot“ (Fusion, Strategic Robotic Systems, ca. 300 m; 07.10.2022)
- Baird Maritime, Geneva Navigation Police gets SAR-optimised ROV (ECA Group, 1.000 m; 01.06.2021)
- Salzburg24, Absturz in den Attersee (26.08.2026, Ortung mit Sonar, Kameras, Tauchroboter, Wasserrettung Salzburg)
- Salzburg24, Bergung abgebrochen (29.08.2026, Bergeleinen nicht gesichert, Wind/Regen, Zitat Manahl)
- Tips, Verunglücktes Kleinflugzeug aus Attersee geborgen (31.08.2026, Robotereinsatz gescheitert, zwei Spezialtaucher, 163 m)
- QYSEA Store, FIFISH V-EVO (Nutzlast 2 kg, 5.000 lm)
- QYSEA, FIFISH V-EVO Produktseite (Greifarm 70 N)
- QYSEA Store, FIFISH V6 Expert (Nutzlast 5 kg)
- QYSEA Store, 2-Finger Robotic Arm (100 N, 7 kgf, 12 cm, kompatible Modelle)
- QYSEA Store, Retrieval Hook (Bergehaken, Seil nötig)
- Chasing, Bedienungsanleitung Grabber Claw A (max. 7 kg, 120 mm, Gladius-Serie; gehostet von xcopter)
- Maverick Drone, CHASING Grabber Arm 2.0 (7 kg, 170 mm, M2/M2 S/M2 PRO)
- Chasing, Gladius Mini S Specs (2 × 1.200 lm, 100 m)
- Chasing, M2 Specs (2 × 2.000 lm, 100 m)
- oesterreich.gv.at, Notrufnummern (122, 133, 144, 112)
- gesetze-im-internet.de, § 323c StGB
- Fundrecht AT/DE/CH: übernommen aus unserem Ratgeber „Schatzsuche unter Wasser“ (dort am amtlichen Wortlaut geprüft am 09.10.2026): ris.bka.gv.at · gesetze-im-internet.de · fedlex.admin.ch
- UDRA, Leistungen und Einsatzgerät
Ist etwas Wichtiges versunken, das eine Hobbydrohne nicht mehr bergen kann? Professionelle Bergungseinsätze in Österreich bietet UDRA an.


