Praxis · Einsteiger

Warum ROVs ein Kabel brauchen: die Physik hinter der Leine

Eine Flugdrohne fliegt kilometerweit per Funk. Eine Unterwasserdrohne hängt dagegen an einem Kabel. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern Physik. Wir erklären, warum das so ist und was das Kabel alles leisten muss.

8 Min. LesezeitStand: Oktober 2026Von Kenny, Redakteur
Kenny, Redakteur bei UnterwasserpilotKennyRedakteur · Unterwasserpilot
Balkendiagramm: Reichweite von Funk, Licht, Schall und Kabel unter Wasser
Wie weit welches Signal unter Wasser kommt (nach Quellen unten) · Eigene Grafik

Wer zum ersten Mal eine Unterwasserdrohne auspackt, wundert sich oft über die große Kabelrolle im Karton. Warum geht das nicht kabellos, wie beim Quadrocopter oder beim ferngesteuerten Auto? Die kurze Antwort: Wasser schluckt Funkwellen. Die lange Antwort lohnt sich, denn wer sie kennt, versteht auch, warum das Kabel so wichtig für die Sicherheit deiner Drohne ist.

Vorweg: Das ist eine Einordnung auf Basis von Herstellerangaben und wissenschaftlichen Quellen, kein Praxistest.

Die wichtigsten Fakten
  • Funkwellen wie WLAN oder GPS kommen im Wasser kaum voran. Salzwasser leitet Strom und schluckt sie besonders stark.
  • Schall funktioniert unter Wasser, ist aber langsam (rund 1.500 Meter pro Sekunde) und überträgt nur wenige Kilobit pro Sekunde. Für Live-Video reicht das nicht.
  • Licht schafft je nach Sichtweite höchstens um die 100 Meter, im trüben See viel weniger.
  • Deshalb hängen ROVs am Kabel (Tether). Es überträgt Video und Steuerbefehle und dient als Sicherungsleine.
  • Die Kabel der Hobbydrohnen sind laut Herstellern 100 bis 300 Meter lang (bei Chasing M2 laut Händler bis 400 Meter) und mit Kevlar verstärkt.

Funk: An der Wasseroberfläche ist Schluss

WLAN, Bluetooth, Mobilfunk und GPS arbeiten alle mit elektromagnetischen Wellen. In der Luft reisen sie fast ungehindert. Im Wasser sieht das ganz anders aus: Laut einem Übersichtsbeitrag des Acoustic Research Laboratory der National University of Singapore breiten sich elektromagnetische Wellen im Wasser nur über sehr kurze Strecken gut aus. Selbst Funkwellen mit sehr niedriger Frequenz (etwa 10 kHz) kommen nur wenige Meter weit.

Im Meer kommt ein zweiter Effekt dazu: Salzwasser ist ein guter elektrischer Leiter, und durch gute Leiter kommen Funkwellen schlecht hindurch. Deshalb verlieren auch U-Boote unter Wasser den normalen Funkkontakt. Sie nutzen extrem niedrige Frequenzen, die laut Wikipedia nur einige Dutzend Meter tief reichen und im Längstwellenbereich gerade einmal rund 300 Bit pro Sekunde übertragen. Zum Vergleich: Ein ruckelfreier Videostream braucht ein Vielfaches davon.

Auch GPS ist betroffen. Laut der Bildungsplattform DOSITS (University of Rhode Island) können die Funkfrequenzen von GPS nicht ins Meerwasser eindringen. Eine Unterwasserdrohne weiß unter Wasser also nicht per GPS, wo sie ist.

Für dich als Unterwasserpiloten heißt das: Sobald die Drohne abtaucht, wäre eine reine Funkverbindung weg.

Schall: funktioniert, aber zu langsam für Video

Schall kommt unter Wasser deutlich weiter als Funk. Es gibt akustische Modems, die Daten per Schall übertragen. DOSITS beschreibt sie aber als relativ langsam im Vergleich zu Modems an Land.

Die Zahlen aus dem NUS-Beitrag machen das deutlich:

  • Schall ist im Wasser rund 1.500 Meter pro Sekunde schnell. Ein Signal braucht für einen Kilometer also etwa zwei Drittel einer Sekunde. Funk ist praktisch sofort da.
  • Akustische Verbindungen schaffen nur niedrige Datenraten, als Beispiel nennt der Beitrag wenige Kilobit pro Sekunde über 10 Kilometer. Je weiter die Strecke, desto weniger Bandbreite bleibt.

Für ein paar Messwerte oder kurze Befehle reicht das. Für ein Live-Bild in HD, nach dem du deine Drohne steuerst, reicht es nicht.

Licht: schnell, aber nur auf kurze Distanz

Bleibt noch Licht. Optische Verbindungen mit blau-grünem Licht (etwa 450 bis 550 Nanometer) werden im Wasser am wenigsten geschluckt. Laut NUS-Beitrag kommen sie trotzdem nicht weiter als rund 100 Meter, und das nur in sehr klarem Wasser. In einem trüben Baggersee oder einem Fluss nach Regen ist die Reichweite viel kürzer.

Die Lösung: das Kabel (Tether)

Weil Funk, Schall und Licht unter Wasser jeweils an ihre Grenzen stoßen, setzen ROVs auf die einfachste Lösung: ein Kabel. Fachleute sagen „Tether“. Bei den Hobbydrohnen erfüllt es laut QYSEA mehrere Aufgaben:

  • Daten: Es überträgt Livebild und Steuerbefehle zwischen Drohne und Fernsteuerung.
  • Sicherungsleine: Fällt der Strom aus, kannst du die Drohne am Kabel zurückholen.

Den Akku tragen die Hobbydrohnen übrigens selbst an Bord. Das Kabel ist also vor allem Datenleitung und Rettungsleine.

So sieht das System bei FIFISH und Chasing aus

UNTER WASSER: KABEL ÜBER WASSER: WLAN DrohneKamera, Antriebe Kabel100–300 m, Kevlar KabelrolleFernsteuerung WLAN5 oder 2,4 GHz HandyTablet, App Chasing Dory: nur 15 m Kabel, dann schwimmende WLAN-Boje an der Oberfläche; das Kabel taucht, die Boje funkt.
So läuft das Signal von der Drohne zum Handy · Eigene Grafik

Bei den gängigen Hobbydrohnen ist der Aufbau ähnlich: Die Drohne hängt am Kabel, das Kabel endet an der Oberfläche an der Fernsteuerung bzw. Kabelrolle, und von dort geht es per WLAN aufs Smartphone oder Tablet.

  • QYSEA FIFISH V6/V6s: Laut Kurzanleitung verbindest du dein Handy mit dem WLAN-Netz der Fernsteuerung („FIFISHRC_xxxx“). Die Fernsteuerung unterstützt laut Datenblatt 5-GHz-WLAN.
  • Chasing Gladius Mini: Laut Bedienungsanleitung erscheint ein WLAN namens „Chasing_xxxx“, mit dem du dein Mobilgerät verbindest. Standard ist 2,4 GHz, umschalten auf 5 GHz geht in den Einstellungen. Auch für die Gladius Mini S nennt Chasing eine Fernsteuerung mit WLAN.
  • Chasing Dory: Die kleine Dory hängt laut Händler B&H an einem 15 Meter langen Kabel, das zu einer schwimmenden WLAN-Boje führt. Die Boje funkt das Bild an dein Handy, laut Angabe bis etwa 15 Meter weit. Das Kabel taucht, die Boje schwimmt oben: so umgeht auch die „kabellose“ Dory das Funkproblem.

Das WLAN überbrückt also nur die Strecke über Wasser. Unter Wasser läuft alles durchs Kabel.

Was die Kabel aushalten: Herstellerangaben

Drohne / ZubehörKabellänge (laut Hersteller bzw. Händler)ZugfestigkeitHinweis
QYSEA FIFISH V-EVO, V6 Expert, E-GO (Kabelspule)100 m, 200 m, 300 m100 kgf laut ShopKevlar; 100-m-Spule 429 USD*
QYSEA FIFISH V6/V6s (ältere Kurzanleitung)je nach Paket80 kgfQYSEA-FAQ nennt ca. 80 kg
Chasing Gladius Mini S100 m oder 200 mkeine AngabeFernsteuerung mit WLAN
Chasing M2100 m oder 200 mkeine Angabe
Chasing M2-Serie (Zubehörkabel, laut Händler)200 m, 400 m100 kg (400 m)laut Händler neutral austariert, Kevlar
Chasing Dory15 m bis zur WLAN-Bojekeine AngabeTiefe max. 15 m

Preise ohne Gewähr, Stand Oktober 2026. Euro- und CHF-Preise haben wir nicht geprüft. Technische Daten laut Hersteller bzw. Händler.

Zwei Punkte fallen auf:

  • Zugfestigkeit: QYSEA nennt in der älteren Kurzanleitung 80 kgf, im aktuellen Shop für die Spulen 100 kgf. Das klingt viel, aber ein Kabel, das sich an einem Ast verhakt hat, kann trotzdem Schaden nehmen, vor allem an Steckern und Knickstellen. Ziehen solltest du also nie mit Gewalt.
  • Auftrieb: Ein guter Tether ist neutral austariert, er schwebt also im Wasser, statt zu sinken oder zu schwimmen. Laut Händler GlobalDroneHQ sind die Chasing-Zubehörkabel so gebaut. Das soll den Widerstand verringern und verhindern, dass sich das Kabel am Grund verfängt. Für die FIFISH-Kabel haben wir keine Herstellerangabe zum Auftrieb gefunden.

ROV oder AUV: Wo ist der Unterschied?

Bei den Profis gibt es zwei Arten von Unterwasserrobotern. Die US-Ozeanbehörde NOAA erklärt es so:

  • Ein ROV (Remotely Operated Vehicle) ist über Kabel mit der Oberfläche verbunden. Über das Kabel laufen Steuer- und Kontrollsignale, und ein Mensch steuert das Fahrzeug in Echtzeit.
  • Ein AUV (Autonomous Underwater Vehicle) fährt ohne Kabel. Es erledigt seine Mission ohne Eingriff eines Bedieners und kehrt danach zu einem vorher festgelegten Punkt zurück, wo die Daten ausgelesen werden.

Ein AUV „sieht“ also nicht live für dich, es arbeitet ein Programm ab. Alle Unterwasserdrohnen aus unserer Bestenliste sind ROVs. Mehr zu den Grundbegriffen findest du in Was ist eine Unterwasserdrohne?

Und was heißt das für dich am Wasser?

Das Kabel ist deine Lebensversicherung, aber auch deine größte Schwachstelle. Es kann sich an Pflanzen, Ästen, Seilen oder Ankerketten verfangen, und bei Strömung zieht das Wasser kräftig daran. Wie du das Kabel bei Strömung führst, haben wir in Fahren bei Strömung beschrieben. Was du tust, wenn die Drohne trotzdem festhängt, erklären wir in Drohne hängt fest: was tun?.

Vor jedem Tauchgang lohnt ein Blick aufs Kabel: Stecker sauber, Dichtring vorhanden, keine Knicke oder Scheuerstellen. Chasing rät in der Anleitung der Gladius Mini ausdrücklich, den O-Ring am Kabelstecker vor jedem Tauchgang zu prüfen und bei Schäden zu tauschen. Die ganze Routine findest du in unserer Checkliste für den ersten Tauchgang.

Praxistipp zum Schluss

Rolle immer nur so viel Kabel ab, wie du gerade brauchst, und lass es nie unbeaufsichtigt am Ufer liegen. Ein loses Kabelknäuel am Steg ist eine Stolperfalle für dich und andere, und es verheddert sich beim Nachgeben leicht.

Häufige Fragen

Gibt es Unterwasserdrohnen ganz ohne Kabel?

Für Hobbypiloten mit Live-Bild praktisch nicht. Auch die Chasing Dory nutzt ein 15-Meter-Kabel zur WLAN-Boje. Kabellose Unterwasserroboter (AUVs) gibt es in der Forschung, sie fahren aber ein Programm ab und liefern kein Livebild.

Kann ich das Kabel einfach verlängern?

Die Hersteller bieten längere Kabelrollen als Zubehör an, bei QYSEA zum Beispiel 100, 200 und 300 Meter. Laut QYSEA-Shop passen die Spulen nicht zu Drohnen anderer Marken. Selbst gebastelte Verlängerungen empfehlen wir nicht, denn die Stecker müssen wasserdicht sein.

Warum funktioniert GPS unter Wasser nicht?

Weil die Funkfrequenzen von GPS nicht ins Meerwasser eindringen. Unter Wasser braucht es andere Ortungssysteme, etwa auf Schallbasis.

Darf ich die Drohne am Kabel ins Wasser lassen und herausziehen?

QYSEA schreibt in der Kurzanleitung zur V6, dass du die Drohne beim Ablassen und Bergen nur am Kabel ziehen sollst. Ruck- und gewaltfrei, versteht sich. Bei anderen Modellen gilt die jeweilige Anleitung.

Hält das Kabel, wenn die Drohne festhängt?

Laut Hersteller hält das FIFISH-Kabel 80 bis 100 kgf Zug. Verlass dich nicht darauf: Rohes Ziehen kann Stecker, Kabel oder die Drohne beschädigen. Erst denken, dann ziehen.

Reaktionen und Kommentare zu diesem Artikel findest du im Forum der Unterwasserpiloten.

Quellen
  1. Acoustic Research Laboratory, National University of Singapore: „Underwater acoustic communications“ (PDF): Funkwellen im Wasser nur sehr kurze Strecken, ca. 10 kHz wenige Meter; Schall ca. 1.500 m/s; wenige kbit/s über 10 km; optisch blau-grün 450–550 nm, max. ca. 100 m je nach Wasserklarheit
  2. Wikipedia: Communication with submarines (Salzwasser als guter Leiter, VLF ca. 30 m bzw. „einige Dutzend Meter“, ca. 300 bit/s)
  3. DOSITS (University of Rhode Island): Underwater GPS (GPS-Frequenzen dringen nicht ins Meerwasser ein)
  4. DOSITS: How is sound used to transmit data underwater? (akustische Modems relativ langsam; Funk breitet sich unter Wasser nicht aus)
  5. NOAA Ocean Service: What is the difference between an AUV and a ROV?
  6. QYSEA Store: 100 m Tether Spool (100 kgf, Kevlar, 429 USD, kompatibel V-EVO/V6 Expert/E-GO, nicht mit anderen Marken)
  7. QYSEA Store: 200 m Tether Spool (100 kgf)
  8. QYSEA Store: 300 m Tether Spool (100 kgf)
  9. QYSEA: FIFISH V6/V6s Quick Start Guide V1.4 (via Adorama; 80 kgf, WLAN „FIFISHRC_xxxx“, 5 GHz, nur am Kabel ziehen)
  10. QYSEA Support-FAQ „What is the purpose of the tether?“ (Kommunikation/Steuerung, Sicherungsleine, Kevlar ca. 80 kg)
  11. Chasing: Gladius Mini S Specs (Kabel 100/200 m, Fernsteuerung mit WLAN)
  12. Chasing: M2 Specs (Kabel 100/200 m)
  13. Chasing: Gladius Mini User Manual (via Adorama; WLAN „Chasing_xxxx“, 2,4/5 GHz, O-Ring am Stecker prüfen, Akku-Zugring an der Drohne)
  14. GlobalDroneHQ (Händler): Chasing 200 m Tether (neutral austariert, für M2-Serie)
  15. GlobalDroneHQ (Händler): Chasing 400 m Tether (neutral, 100 kg, Kevlar)
  16. B&H Photo (Händler): Chasing Dory (15 m Kabel zur WLAN-Boje, WLAN bis 15 m, Tiefe 15 m)
Kenny, Redakteur bei Unterwasserpilot
RedakteurKennyKenny schreibt bei Unterwasserpilot über ROV-Drohnen, Tests und Einsätze in Österreich und dem D-A-CH-Raum.

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